Singen ist Medizin

12.11.2015 14:54

Singen ist aktives und passives Geschehen zugleich. Wer singt, versetzt seine Stimmbänder aktiv in Schwingung und wird von diesen Schwingungen insgesamt in seinem körperlich-seelischen Sein wieder beschwungen. All die Resonanzräume des Körpers, die sich mit Klängen füllen, aber auch die Knochen schwingen – und das spürt man auch, wenn man die Hand zum Beispiel auf den Brustkorb legt. Das heißt, ich versetze mich in Schwingung. Und das heißt auch: Ich bin beschwingt.

Mit dem Körper als seinem ursprünglichsten, ureigensten Instrument und der Stimme als hörbarem Ergebnis dieses Instruments. steht der Mensch mit seiner Umwelt in Wechselwirkung. Wir sind kommunikative Beziehungswesen, so ist das halt. Wir müssen der Überfülle an Eindrücken und Gefühlen Ausdruck verleihen, um uns in Balance zu halten. Und der gestaltete Atem, die Stimme, die Sprech- und Singstimme, sind im Verbund mit der Gestik die Ausdrucksmöglichkeiten schlechthin. Ich kann so viel loswerden beim Singen, so viel Ärger, so viel Unangenehmes und Aufgestautes. E-motio heißt ja Herausbewegen. Jede Emotion ist in einem bestimmten Atemmuster kodiert. Wer aufgeregt ist, atmet anders als jemand, der traurig ist. Und damit wird klar, warum es so wichtig ist, dass wir unsere Stimme benützen, denn Sprechen und insbesondere Singen ist ja gestaltetes, meist auch verlängertes Ausatmen. Da bewegen sich dann auch unbenennbare Gefühle, Emotionen aus uns heraus.

Singen bringt uns wieder in Takt, bringt das vegetative Nervensystem ins Gleichgewicht, das gerade in unserer Zeit bei vielen Menschen aus dem Lot ist. Das Vegetativum ist jener Teil des Nervensystems, der nicht unserem Willen unterworfen ist, der für „autonome“ Vorgänge im Körper wie für die Atem-, Herz- und Verdauungstätigkeit zuständig ist. Hier sind die beiden Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus am Werk: Der Sympathikus ist bei Aktivität, bei Leistung und Stress im Spiel, das bedeutet: Erhöhung der Atem- und Herzfrequenz, Erhöhung des Blutdrucks – die Symptomatiken der modernen Leistungsgesellschaft. Der Gegenspieler, der Parasympathikus, sorgt für Beruhigung und Entspannung – kommt bei vielen Menschen, die ständig unter Druck stehen, also viel zu selten zum Zug. Die Folgen des Ungleichgewichts zwischen Aktivität und Entspannung, zwischen erhöhter Sympathikusaktivität und verringertem Parasympathikus, sind bekannt: Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Burn-out etc. Beim Singen, beim Tiefatmen aktiviert man automatisch viele Parasympathikusanteile, der sonst so beanspruchte Sympathikus hat Pause – die Balance ist wiederhergestellt. Und ein Organismus, der in Balance ist, kann sich eher selbst gegen Krankheiten wehren, die Selbstheilungskräfte funktionieren besser.

nachzulesen unter www.medizinpopulaer.at/archiv/medizin-vorsorge/details/article/singen-ist-medizin.html

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